Verein Mythos

Sagen, Geschichten, Geheimnisse

Cornelia Leuenberger

“Gold - lange bevor es in der Stadt zu funkeln begann, war das edle Metall im Büro angekommen. Viel wurde darüber diskutiert: mal emotional, mal objektiv, mal niedergeschlagen, aber auch - und vor allem - immer wieder mit viel Freude und Engagement. Zwei Kollegen im OK zu haben heisst, schon früh vom Projekt zu hören und daran zumindest in Gedanken - und ja, immer auch wieder in Worten - teilzuhaben.

Gold - irgendwann war der theoretische Teil vorbei, irgendwann lag ein Textheft im Briefkasten und frau wusste, welche Rolle sie zu lernen hatte. Im Juli trafen sich die Leute von Szene 1 zur ersten Probe. Wir lernten, auf der schiefen Ebene, die ab jetzt für uns die Welt bedeuten sollte, zu stehen und uns darauf sicher zu bewegen.

Gold - mit jeder Probe wuchs die Gewissheit: Was sich da in Szene 1 zusammengefunden hat, ist eine wirklich tolle Gruppe. Mit Freude und Elan hat jede und jeder mitgemacht, ist immer und immer wieder den Hügel zur Kirche hinaufgestiegen, um dann im imaginären sonntäglichen Nach-Predigt-Zug wieder nach unten zu flanieren.

Gold - mit der Premiere begann es auch in den Herzen zu funkeln. “Bisch närvös?” - natürlich war man, und das ist gut so. Wer wollte sie missen, all diese Gefühle? Das leichte Vibrieren in der Magengegend? Die Unsicherheit, ob auch wirklich alles funktioniert? Die gespannte Erwartung des ersten Applauses, der einem wie sonst nichts zeigt, dass sich die Arbeit gelohnt hat?

Gold - “Si chöme” war bald ein geflügeltes Wort in Szene 1. Während in den kurzen Pausen zwischen den Auftritten diskutiert und gelacht wurde, hielt immer mindestens eine der guten Statisten-Seelen Ausschau nach dem nächsten Zuschauertrupp - und nie, nie haben sie einen verpasst. Eine kurze Aufregung wenn es soweit war, hier noch schnell ein Hut zurechtgerückt, dort die wärmende Jacke ausgezogen, ein halb verzehrtes Sandwich zurück in die schützende Folie bugsiert, tief durchgeatmet - und los ging es zur nächsten Runde.

Gold - so gerne frau den blauen Rock überzog, den Strohhut aufsetzte und zu Frau Roller wurde, so gerne sah sie auch immer das rote Gilet der Gruppenbegleiter. “Feierabend” schrie es ihr fröhlich entgegen. Und das wiederum bedeutete: Zurück ins Theater Z, Rolle ablegen und geniessen - das umwerfend feine Essen der beiden Frauen hinter dem Tresen.

Gold - bald hat es ausgefunkelt, die Kostüme verschwinden im Fundus, die allerletzten Reste von Schminke werden von den Gesichtern gewischt. Ein leises Bedauern wird bleiben, eine Leere, die nur schwer zu beschreiben ist. So muss es sein. Beides beweist, dass Gold ein gutes Kapitel im Buch des Jahres 2009 ist und bestimmt auch darüber hinaus. Denn wir wissen ja: Gold verliert seine strahlende Kraft nicht so schnell.”

Cornelia Leuenberger
Schauspielerin