Gold – man sollte meinen, dass wir es nicht mehr hören können, das beinahe schon geflügelte Wort. Doch nein, ich denke gerne zurück. Erinnere mich an Markus, der sich beim Lesen einiger Drehbuch-Szenen vor Lachen fast nicht mehr erholen konnte. Schliesslich machte man sich an die Organisation. Vor und nach OK-Sitzungen wurden Probleme gewälzt, diskutiert und schlussendlich gelöst. Der Gedanke an unbesetzte Rollen lässt mich tief durchatmen und die Frage nach Fettschrift im Helferbrief grinsen. Bei so vielen miterlebten Organisations-Sequenzen ist nachvollziehbar, dass ich die Hauptprobe gespannt erwartet habe. Endlich sehen, um was es eigentlich geht! Klar, hier und da musste noch etwas gefeilt werden aber einige Szenen waren schon da super. Besonders gefallen hat mir von Anfang an Szene 1. Die Besucher wurden richtiggehend ins Theater hineingesogen. Da und dort war ein Rollen-Leser gesucht, die Minuten der Szenen wurden peinlich genau notiert. Die Premiere nahte und Hauptthemen waren nun das Wetter und die Reservationen.
Endlich wurden Lautsprecher aufgestellt, Lichterschlangen ausgerollt, Scheinwerfer montiert, Besucher begrüsst, die Szenen abgeschritten. Zufrieden marschierte man zu Szene 2, im Wissen, dass ein guter Start gelungen ist. Schleuste Zuschauer ins Luginbühl-Museum und überliess sie der mystischen Stimmung. Immer noch staune ich, wie unterschiedlich die Gruppen funktionierten. Einige genossen still und wortlos, andere hätten am Liebsten mitgespielt und schäkerten mit MonaLisa, wo diese doch weit und breit keinen Menschen in den Gassen sehen sollten. Etwas weniger aufgeräumt war die Stimmung, wenn man beim Luginbühl-Museum unten schon die nächste Gruppe sah oder die Räuber lautstark streiten hörte. Das war zum Glück die Seltenheit. Meist ging man zügig an den pöbelnden Räubern vorbei und hoffte, die angewiesene Besucherin würde den Schlüssel nicht verstecken und Kuno damit ein zügiges Ableben bescheren… Der Gang zu Pavillon und Schloss lohnte sich nicht nur wegen den Szenen, sondern auch wegen der Aussicht. Nachdem alle in der Rütschelengasse standen, wusste man auch, dass man den Sanitäts-Rucksack trotz Nieselregen nicht würde beanspruchen müssen und als einzige Herausforderungen verblieben zwei Dinge: Erstens mussten alle Besucher ins Dezibel hinuntergestopft und vor Ermüden der tanzenden Schauspieler wieder hinausgebracht werden. Zweitens sollte man nach Gotthelfs Schlussworten verhindern, dass alle in verschiedene Richtungen davonschwirrten, ohne den Abspann gesehen zu haben. Mit jeder Runde konnten die Herausforderungen besser gemeistert werden.
Gerne erinnere ich mich zurück an begeisterte Theaterbesucher mit glänzenden Augen, an Unmengen von allerfeinstem Hörnlisalat und gemütliches Ausklingen im Showtime.
Burgdorf, das für mich vor einem Jahr ein grosses Dorf mit einem toten Kern war, ist für mich auch durch “Gold” lebendig und liebenswürdig geworden. So erging es, da bin ich mir sicher, manchem Besucher. Sogar Burgdorfer entdeckten neue Seiten Ihrer Stadt. “Gold” hat der Stadt einen Goldschimmer verpasst – die Stadt dankte es mit viel Charme. Als Oberemmentalerin werde ich unsere Regionshauptstadt immer gerne besuchen. Vor allem, wenn engagierte Leute wie das Gold-Team am Werk sind und sie gestalten. Gold ist immer das, was man daraus macht.
Irene Zürcher
Gruppenbegleiterin
